Wildes Island

Ein Orca kommt selten allein…

Ich muss zugeben, ich hatte dieses Stück Land nicht auf dem Schirm. Obwohl es doch so nahe liegt. Aber als man mir sagte, ich sollte da unbedingt rüber, welche Wahl hatte ich da…

Vancouver Island. Was klingt wie ne kleine Insel vor der kanadischen Metropole, ist in Wahrheit die größte Pazifikinsel Nordamerikas. Und selbst wenn man nur einen Teil von ihr sieht, lohnt sich der Trip. Aber sowas von!

Britischer Beginn

Nach der Fährüberfahrt vom Festland (etwa eineinhalb Stunden) ist der erste Anlaufpunkt in der Regel die „Hauptstadt“ Victoria. Der Ort klingt nicht nur britisch, er sieht auch genauso aus. Man findet Teehäuser, englische Gärten und britische Flaggen, aber auch eine nette Hafengegend.

Victoria Hafen

Entlang des Hafens bietet sich ein kurzer Spaziergang zum „Fisherman’s Wharf“ an, wo man bei Fish & Chips einen guten Blick auf die schwimmenden Holzhäuser hat, die gleichzeitig Wohn- und Verkaufsraum sind.

Hausboote Victoria

Victorias wohl bekanntestes (und auch beeindruckendstes) Gebäude ist allerdings das Parlamentsgebäude, das sich in unmittelbarer Nähe zum Hafen befindet.

Victoria Castle

Schon recht britisch.

Liegen in Löchern

Nach einem Tag und einer Nacht (die etwa auf einer Rooftop-Party verbringen kann) hat man aber auch genug von Victoria gesehen – und für einen ausgedehnten Städtetrip kommt eh kein Mensch nach Vanocuver Island. Also weiter.

Nach Sooke, rund eine halbe Stunde von Victoria entfernt. Den Ort selbst lässt man links liegen und biegt rechts ab in die Natur. Zu den Potholes.

Potholes

In diesen „Löchern“ sammelt sich das Wasser des Sooke Rivers und bietet damit ausgezeichnete Badegelegenheiten. Allerdings ist Baden nicht überall erlaubt, was der Ranger auf dem obigen Bild den zwei jungen Damen gerade erklärt. Aber die Ranger sind hier keine Unmenschen, so dass der Herr noch schnell ein Foto von den Ladys macht, bevor er die beiden hinausbegleitet.

Potholes Nixen
„Ich brauche dann noch eure Adressen und Telefonnummern…nur für Rangerzwecke natürlich.“

Aber ein Stück weiter ist das Wasser genauso kühl und klar, also lässt man sich nieder.

Potholes close

An manchen Stellen sind die Potholes tief genug, um einen Sprung hinein zu wagen. Also, es gibt Leute, die das tun.

Potholes Jump
„8,5!“

Stopp am Hafen

Hier kann man gut nen halben Tag verbringen. Dann aber macht man sich auf den Weg nach Nordwesten. Vancouver Island ist groß. Und wer die weiten Wege nicht am Stück machen will, kann unterwegs in Nanaimo anhalten. Die „Harbour City“, die auch eine Fähre nach Vancouver ihr Eigen nennt, ist sowas wie die ungeliebte Stiefschwester von Victoria. Nicht so attraktiv, nicht so populär und immer im Schatten des Lieblingskindes.

Nanaimo

Allerdings hat auch Nanaimo eine attraktive Hafengegend, die gerade im abendlichen Restlicht schöne Ausblicke bietet.

Nanaimo Sunset

Die Hotspots

Das Ziel ist jedoch ein anderes: die Westküste mit den Städtchen Ucluelet und Tofino. „The place to be“ auf Vancouver Island. Ucluelet (deren Namen man beim hundertsten Mal unfallfrei aussprechen kann) steht ein bisschen im Schatten des populäreren Tofinos, hat aber eine interessante wilde Küstenlandschaft zu bieten.

Ucluelet Coast

In Herbst und Sommer soll es sogar einen „Sturmtourismus“ geben. Dann sollen Touristen anreisen, um Stürme zu gucken. Klingt verrückt. Aber spannend. Vielleicht setzt sich der ein oder andere ja dann an den kleinen Leuchtturm.

Ucluelet Leuchtturm

30 Kilometer weiter erreicht man die Tourihochburg Tofino. Der Ort lockt mit ausgedehnten Stränden – ein Mekka für Surfer und Stehpaddler.

Tofino Beach

Aber nicht nur der Sprung aufs Bord lohnt sich – es reicht schon ein ausgedehnter Strandspaziergang, um Spannendes zu entdecken.

Tofino Muscheln

Neben Muschelmassen versteckt sich in den kleinen steinigen Buchten noch so allerhand anderes Meeresgetier…man ahnt es schon…

Seesterne
Seesterne!

Manche Szenerie hier erinnert ein bisschen an die Meeresschule aus „Findet Nemo“.

Meeresgetier

Heiße Quellen und wildes Leben

Doch damit ist das Highlight Vancouver Islands noch gar nicht in Sichtweite. Dafür muss man eine der vielen Bootstouren buchen. Zur Auswahl stehen Whale Watching, Bear Watching sowie die Hot Springs Tour. Ich wähle letzteres, in der Hoffnung, unterwegs auch Walen zu begegnen.

Die Fahrt an sich ist schon ein Erlebnis, denn das kleine Motorboot macht ordentlich Geschwindigkeit und während man von Welle zu Welle hüpft, peitscht einem der Wind ins Gesicht. Aber dafür ist man ja auch in „Spezialkleidung“ eingehüllt.

Schnellboot

Die „Hot Springs“ erreicht man nach eineinhalb Stunden Fahrt. Leider sind die Wasserstellen klein und man muss sie sich mit vielen Touristen teilen. Dafür hat das (etwas schwefelige) Wasser sehr angenehme 50 Grad.

Hot Springs

Auch Hunde mischen sich unter die Touris. Sie gehören angeblich irgendwelchen Einheimischen.

Hot Hund

Allerdings interessieren sie sich weniger für das heiße Wasser als für die mitgebrachten Snacks der Menschen. Meistens gibt’s keine. Dann macht man eben Pause und bewacht die Taschen – so wie meine.

Bagwatch

Der Premiumplatz mit der besten Aussicht liegt direkt am Meer. Allerdings schwappt der Ozean gerne mal ins heiße Bad. Und dann wird’s kalt. Aber egal. Es zählt doch nur „Lage, Lage, Lage“.

Hot Springs Pool

Aber was ist denn jetzt mit dem groß angekündigten Wildlife, dem man auf der Tour begegnen soll bzw. kann?

Es ist wirklich vorhanden! Auf der Rückfahrt segeln Weißkopfseeadler majestätisch durch die Lüfte.

Weisskopfseeadler

Auch Seeotter lassen sich blicken. Allerdings tauchen sie blitzschnell unter, sobald sich unser Boot nähert. Dann doch lieber Wale.

Ich hatte ja sehr auf Orcas gehofft. Aber unser deutsprachiger Kapitän Jens dämpft die Erwartungen. Man habe sie in letzter Zeit kaum zu Gesicht bekommen. Jens verständigt sich laufend mit den anderen Booten, wo Wale zu erspähen sind.

Kapitän Jens

Dann aber tauchen in Küstennähe plötzlich dunkle Schwanzflossen auf. „Wir haben Glück“, ruft Jens. Orcas!

Orca Tailflap

Und nicht nur einer…gleich eine ganze Familie (inklusive Nachwuchs) trifft sich vor unseren Augen!

Orcababy

Zugegeben, mangels Teleobjektiv sind die Bilder nicht so spektakulär, aber „live“ sind diese Tiere ein wirkliches Erlebnis. Sogar Sprünge sind im Programm enthalten.

Orca Jump

Dann erklingen plötzlich von der Seite Walgesänge. Ein Whale Watching Boot neben uns hat sein Hydrophone eingeschaltet – und hört somit, was sich unter Wasser abspielt.

Whalewatching

Und wir hören „live“ die rege Orca-Konversation mit. Magisch!

Bevor es dämmert, steuert Jens wieder den Hafen an. Ich verabschiede mich vom Captain, von Orcas, Adlern, Ottern, Surfern und heißen Quellen. Und genieße den Sonnenuntergang. Denn auch der ist wie der Rest des wilden Vancouver Islands: Großartig.

Tofino Sunset

4 Comments on “Wildes Island

  1. Wunderschönes „Fleckchen Erde“!!!!!! Da kommen Erinnerungen an unsere Reise nach Kanada auf.
    Wünsche dir weiterhin alles Gute!
    LG. Anette

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  2. Schön, dass es Dir auf Vancouver Island auch so gut gefallen hat wie uns. Du bist uns übrigens nach unserem Treffen in Mesa Verde kurz vor dem Valley of the Gods noch einmal entgegen gekommen…das Auto war unverkennbar. Viele liebe Grüße aus dem heißen Deutschland und weiterhin eine gute Zeit!

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  3. Pingback: There… – there and back again…

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