Der Folkspark

Thank you for the music!

Wer in seiner Freizeit Landkarten studiert (oder schon mal in Kanada war), wird sich vermutlich wundern, warum dieser Artikel von der Stadt Calgary handelt. Kommt man doch auf dem Weg vom Skiort Whistler erst durch den Banff National Park. Und der sollte doch mindestens einen Beitrag hier wert sein…

Bevor jemand Schnappatmung bekommt: Diese Zeilen entstehen bereits in Banff. Dass ich erst durch den Nationalpark durchgerauscht bin, geradewegs nach Calgary, hat einen einfachen Grund: Mike Rosenberg. Den meisten besser bekannt als Passenger. Auf Vancouver Island hatte ich ihn knapp verpasst, in Calgary bot sich erneut die Gelegenheit: beim Folk Music Festival. Diese Veranstaltung findet in Calgary jedes Jahr statt und hat statt großer Namen und dichtem Gedränge einen schönen Park, musikalische Überraschungen und entspanntes Publikum zu bieten. Hier sitzt man vor der Bühne und lauscht andächtig. Unter anderem Passenger. Ich hab ihn schon einige Male live gesehen, doch in kanadischer Festivalatmosphäre sowie neuem Album im Gepäck, war er die Reise auf jeden Fall wert.

Es ist interessant zu sehen, wie viele Festivalbesucher, die maximal seinen „einzigen Hit“ (Zitat Mike) „Let her go“ kennen, große Augen machen, wenn der Mann sein musikalisches Talent auspackt. Wer ins neue Album reinhören möchte, sollte dies hier tun:

Passenger – Why can’t I change(acoustic)

Aber Passenger ist Brite – und auch wenn die Queen von den kanadischen Dollarnoten lächelt (tut sie nicht wirklich, sie guckt ernst), im folgenden soll es um Kanada gehen.

Calgarys Musik

Denn ich wollte ja über Calgary schreiben. Wer meinen geradezu euphorischen Bericht über Vancouver gelesen hat, wird hier enttäuscht werden. Calgary kann nicht annähernd mit der Stadt an der Westküste mithalten – aber das können eh nur wenige Orte. Doch Albertas Millionenstadt ist dennoch eine Reise wert. Vor allem wegen der Musik. Denn neben dem Folk Festival hat Calgary ein weiteres Highlight zu bieten: das National Music Center. Das von der Optik locker eine berühmte Kunstgalerie sein könnte.

Music Center

Mit einem verstaubten Museum hat das ganze so viel gemein, wie der letzte Star Wars-Film mit Star Wars: nichts. Die kunstvolle Architektur setzt sich sogleich im Innenraum fort…

Music Center innen

Neben allerhand Wissenswertem (z.B. wie entstehen Ohrwürmer) ist Interaktion das große Thema des Music Centers.

Music listening

An dieser Station sind die Besucher eingeladen, verschiedenen Musikstilen zu lauschen, um sodann auf einem Zettel festzuhalten, was jene Musik mit ihnen macht. Neben erwartbarem „Musik macht mein Leben besser“-BlaBla, gibt es auch einige kreative Antworten. Mein Favorit:

Fast circles

Nicht im Kreis laufen, dafür in die Drumsticks beißen, könnte ich bei der nächsten Station. Denn auf der vierten Etage lassen sich allerhand Instrumente ausprobieren. Und so halte ich zum ersten Mal einen Bass in der Hand – und versuche mich eben am Schlagzeug.

Drummer

Mit der linken Hand den einen Rhythmus, mit der rechten einen anderen und mit den Füßen das ganze nochmal anders…nee, lass mal. Macht bestimmt Spaß, wenn man es kann.

Eine Etage höher wird es nostalgisch. Hier sind Instrumente zu bewundern, die mal berühmten Leuten gehört haben, die damit mal irgendwas berühmtes gemacht haben.

Und noch einen Raum weiter wird kanadischen Musiker gehuldigt…kanadische Musiker? Ja, ich war auch überrascht, wie viele Namen man dann doch kennt. Celine Dion, Barenaked Ladies, Avril Lavigne, Nickelback, Leonhard Cohen und Justin Bieber. Gut, bei letzterem hätte man es schon am Namen erkennen müssen.

Die Outfits der kanadischen Popstars sind auf jeden Fall einen Blick wert.

Fazit: ein Museum, das den richtigen (Musik-) Geschmack trifft.

Calgarys Architektur

Kann sich sehen lassen. Viele verschiedene Stile wechseln sich munter ab, ergeben aber ein durchaus ansprechendes Gesamtbild.

Im wahrsten Sinne des Wortes herausragend ist dieses Exemplar, nur echt mit Dickkopf vor der Tür.

The Bow

Beim Namen waren die Konstrukteure allerdings weniger kreativ. Der Wolkenkratzer heißt schlicht „The Bow“ (der Bogen). *Gähn*.

Wie in Vanocuver dominiert in Calgary viel Glas. Was nichts Schlechtes ist.

Calgary Tower

So, jetzt aber genug der Lobhudelei. Sprechen wir über das, was nicht so gut gelaufen ist: den Turm.

P1050095

Ich kann mir die Entstehungsgeschichte des „Calgary Towers“ nur so vorstellen. „Hey, wir brauchen einen Aussichtsturm, so wie die Space Needle in Seattle.“ „Oh ja, die ist toll!“ „Kriegen wir die Architekten?“ „Die sind alle im Urlaub.“ „Und was ist mit fähigen Leuten aus dem Ausland?“ „Die arbeiten alle an einem Flughafenkonzept für Berlin.“ „Hm, ok, ich hab’s! Mein fünfjähriger Sohn hat gestern einen Turm mit Bauklötzen gebaut. Der war echt super. Ich lass ihn mal ein Modell für uns entwerfen. Alle einverstanden?“

Es gab wohl keine Widerworte.

Calgary Turm close

Es gibt Calgaryans (klingt wie eine Familie aus Game of Thrones), die sprechen von der „Schande von Calgary“. Wer kann’s ihnen verübeln.

Aber sie haben in der Stadt die Kurve gekriegt und wagen jetzt etwas mehr. Etwa den neuen Telus-Tower.

Telus Sky Tower

Eine architektonische Spielerei – aber eine interessante.

Spielereien gibt es auch anderswo in Calgary. Man versucht sich in „Kunst“. Am Olympic Plaza etwa gucken Nagetiere aus dem Boden…

Calgary Nager
Warum? Weil sie’s können!

Aber Tiere fühlen sich anscheinend wohl in Calgary. Denn sie haben hier generell Vorfahrt. Vor allem wenn sie, wie diese Kanadagänse, mit der gesamten Großfamilie die Straßenseite wechseln.

Kanadagans

Calgarys Sport

Aber nochmal zurück zum Olympic Plaza. Der darf so heißen, da sich Calgary stolz „Kanadas erster Winter-Olympia-Ausrichter“ nennen darf. Das war 1988. Übrig geblieben ist unter anderem der Olympic Park, der die Skisprungschanzen beherbergt.

Olympia Schanze

Und eine weitere Attraktion darf bestiegen werden. Dieser Jamaica-Bob ist der echte aus dem Film „Cool Runnings“.

Cool Runnings
…was wesentlich uncooler aussieht, wenn ein Deutscher drin sitzt.

Etwas andere „Sportarten“ dürfen einmal jährlich bei der „Stampede“ bestaunt werden. Bei diesem Mega-Festival (das ich leider knapp verpasst habe), gibt es Rodeo und Westernreiten satt. Die Stampede ist für Calgary das, was für München das Oktoberfest oder für Mainz die Fassenacht ist. DAS Highlight, auf das jeder Cowboy (und jedes Cowgirl) hier entgegenfiebert.

Vielleicht sehe ich das Spektakel ja einmal. Ich würde wiederkommen nach Calgary.

Nicht nur wegen der Musik.

2 Comments on “Der Folkspark

  1. Fühlt den Rhythmus, hört die Musik, dieser Bob führt uns zum Sieg! (Napoleon während der Völkerschlacht bei Leipzig)

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