Türkis für Anfänger

Ich bin ba(n)ff!

Was hatte es nicht alles für Vorschusslorbeeren geben. „Fahr unbedingt nach Banff!“ „Warst du schon in Banff?“ „Das ist soooo schön da, in Banff!“ „Banff, Banff, Banff.“ Ich konnte es schon nicht mehr hören.

Aber wenn ich schon mal zufällig in der Gegend bin…dann also nach Banff.

Was sofort auffällt: die Mücken.

0 Mückenstiche

Aber gut, Mücken gab’s ja auch in den USA. Was soll mich das hier schon jucken (haha)?

Tag 1 beginnt vielversprechend. Ich schlage mein Lager auf im Village 1 Campground (Wald, Mücken, kein Wlan) und flaniere durch Banff Downtown. Auf den ersten Blick ist der Ort Banff (im Banff National Park) eine typische Touristenfalle. Restaurants, teure Klamottenläden und unzählige Giftshops (hab nix gekauft, sorry Leute zuhause).

Aber entlang des schick türkisfarbenen Bow Rivers, hebt eine erste kurze Wanderung die Laune.

Bow River Banff
Hat den Bogen raus: der „Bow River“.

Man ist nicht lange unterwegs, um plötzlich staunend den Berg hinauf zu blicken. Denn hier hat sich wohl eines der nobelsten, exklusivsten und vielleicht am schönsten gelegenen Hotels breit gemacht: das Banff Springs.

Fairmont Hotel

Das sieht nicht nur teuer aus, es ist es auch. Bevor ich hier einchecke, frage ich – einfach nur aus Neugier – was denn das günstigste Zimmer ist.

Banff Springs Hotel Lobby

700 kanadische Dollar (rund 460 Euro). Wohlgemerkt für eine Nacht. Also doch der Village 1 Campground (Wald, Mücken, kein Wlan).

Aber das Banff Springs bietet eben auch einen fantastischen Blick sowie alles, was zu einem Luxusschuppen dazu gehört. Etwa einen Golfplatz vor malerischer Bergkulisse.

Banff Golf

Kein Wunder, dass man auf dem Weg zum Hotelgelände nicht zuerst auf Autos achten muss….

Golf Cart
…sondern auf Golf Carts. Was fehlt? Der Caddy (haha)!

Dinieren kann man übrigens im „Waldhaus“. Diese Deutschen sind auch überall….

3 Mückenstiche

Diese Biester sind echt lästig. Egal ob auf dem Campground oder in der Stadt, die Mücken scheinen in Banff keine Hemmungen zu haben. Also Insektenspray auf die Haut und ab zum Johnston Canyon.

Hier sollte man nicht immer den Pfaden folgen. Der wohl spannendste Platz ist weder ausgeschildert noch führt ein gemachter Weg hinunter. Doch hat man die „hidden cave“ entdeckt, bietet sich einem ein beeindruckendes Bild.

Johnston Canyon

Wasserfall, Höhle, Felsen – wer bietet mehr?

Der Wasserfall ist zwar weder besonders hoch noch besonders breit, aber man kann sich drunter stellen. Und etwas Mystisches hat der Ort hier dann schon.

Johnson Canyon

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Mein Hand ist voll Blut. Ich habe eines der Plagegeister auf meiner Schulter zerdrückt. Die stechen einfach durchs T-Shirt. Da, wo das Spray eben nicht ist. Raffinierte Biester.

Es brennt. Nicht auf der Schulter, sondern im Kootenay National Park. Der ist rund 30 Kilometer von Banff entfernt. Doch der Wind hat den Rauch in die Stadt getrieben.

Banff Town
Geräuchert: Mount Rundle und die Stadt Banff

Ein Gewitter ist in der Nacht über die Gegend gezogen. Blitzeinschläge haben Bäume in Brand gesetzt. Das Feuer breitet sich aus, Highways werden geschlossen. In Banff regnet Asche vom Himmel…

Feuermond
…während die Sonne sich einen Weg durch den Qualm bahnt.

Es ist eine gespenstische Szenerie. Während weiße Flocken von oben herabrieseln, rücken die Rauchwolken näher an den Ort heran.

Banff Wildfire

Nach zwei Tagen (und zwischenzeitlichem Regen) ist das Feuer gelöscht. Die Sicht wird besser. Die Luft riecht nicht mehr nach Rauch. Gefahr für den Ort hat zum Glück nicht bestanden.

10 Mückenstiche

Hab noch kein richtiges Mittel gegen die Mücken gefunden. Sie finden immer wieder einen Weg, ihr blutiges Handwerk zu erledigen. Verdammt.

Dafür bin ich unterwegs zu einem DER Touristenmagneten in Banff: Lake Louise!

Lake Louise close

Der schön türkisfarbene See zieht so viele Menschen an, dass man besser nur mit dem Shuttlebus anreist. Parkplätze? Vergiss es! Was unter anderem an ihnen liegt:

Lake Louise Hochzeit

Also nicht unbedingt an den beiden. Aber auch. Es ist kein Zufall, dass einem ein asiatisches Hochzeitspaar begegnet. Denn tatsächlich sind unsere Freunde aus Fernost so zahlreich (und mit eigenen Bussen) im Nationalpark vertreten, dass man mal kurz auf Google Maps nachschaut, ob man nicht durch einen dummen Zufall durch ein Raum-Zeit-Loch in China gelandet ist. Aber: schöner Hochzeitsort, keine Frage. Glückwunsch!

Der Aufstieg zum Viewpoint dauert gut zwei Stunden, lohnt sich aber gewaltig. Denn auch von oben macht Lake Louise durchaus einiges her.

Lake Louise

Die türkise Farbe kommt übrigens von den Gesteinssedimenten, die das Schmelzwasser des nahen Victoria Gletschers in den See bringt. Dieses „Felsenmehl“ reflektiert vor allem das blaue und grüne Licht.

Nicht minder beeindruckend ist allerdings das Bergpanorama. Dafür muss man seinen Kopf lediglich um etwa 90 Grad drehen…

Lake Louise Mountains

Und auch auf dem Weg herunter bietet sich dem Fotografen noch das ein oder andere Motiv.

Lake Louise Berghänge

Ich kann die vielen Asiaten verstehen. Und die vielen Deutschen. Sowieso alle, die hier hin kommen.

12 Mückenstiche

Ich bin jetzt dazu übergegangen, bei Frühstück und Abendessen am Auto Jeans und Jacke anzuziehen. Nicht nur, weil es morgens und abends recht kühl ist, sondern auch, damit es die Mördermücken nicht so einfach haben…immerhin eine leichte Verbesserung.

Zurück in Banff Stadt steuer ich den Vermillion Lake an. Den kann man mit dem Auto befahren (also die Straße am See), so dass man für ein Foto von See und dem skurril geformten Mount Rundle nur kurz anhalten muss.

Vermillion Lake

Was mir noch fehlt, ist ein Blick auf den Ort Banff. Auch dafür braucht es lediglich zehn Autominuten. Mt. Norquay bietet das gewünschte Panorama.

Banff Aussicht
Diese zwei haben den Premiumplatz erwischt.

Hier lässt sich verweilen. Lautes Vogelgezwitscher hallt idyllisch zwischen den Hügeln hin und her. Aber Moment, sind das wirklich Vögel? Nicht wirklich. Schnell findet man den Urheber der Piepslaute:

Screaming Squirrel
Squirrels!

Hier wird sich munter angeschrien…anscheind gibt’s noch kein Squirrel-What’s-App.

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Ich sprühe jetzt auch die Kleidung mit Insektenspray ein. Wenn das nicht hilft, gebe ich mich geschlagen.

Meine vorerst letzte Station in Banff: Moraine Lake.

Moraine Lake Panorama

Ja, auch der ist türkis. Man hätte es ahnen können. Aber so schön türkis.

Morain Lake ist noch farbenfroher als Lake Louise und nicht ganz so krass überlaufen. So lässt es sich hier entspannter verweilen – unter anderem im Kanu.

Moraine Lake Kanu
Da kann man sich durchaus mal freuen.

Toll hier!

Ohne einen neuen Mückenstich kehre ich zum Shuttlebus zurück. Vor mir warten allerdings rund 100 andere Leute – und nur 44 kommen alle 20 Minuten zurück zum Overflow-Parkplatz. Also warten. Laaaaange. Oder?

Plötzlich ruft es aus dem Bus. „One solo person? Anyone?“ Instinktiv hebe ich den Arm. Niemand anders. Und so gehe ich mit einem Grinsen an der riesigen Menschenschlange vorbei und besteige (unter tosendem Applaus der Mitwartenden, kein Witz) den Bus. „You’re the winner today“, begrüßt mich der Busfahrer.

Alleine reisen hat seine Vorteile. Und sei es auch nur, eine dreiviertel Stunde eher wieder in Banff zu sein. Zurück in schönster Natur.

Und zurück bei den Mücken.

4 Comments on “Türkis für Anfänger

  1. Pingback: There… – there and back again…

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